Inefficient Screws // Advertitiscc by-nc-nd

beeah–music BEH010 / 53min digital CC release / 15.04.2011

Inefficient Screws – Advertitis

Release Info

Auf „Advertitis“ erzählt die berliner Band Inefficient Screws von einem schicksalhaften Flug eines Mannes zurück in seine Vergangenheit. Das Musikerkonglomerat um den Songwriter Markus Steidl ist inzwischen zu einem kleinen akustischen Lofi-Wohnzimmer-Orchester gewachsen und nahm sein zweites Album sogar in 11-köpfiger Besetzung auf. Neben der Kernbesetzung bestehend aus Steidl (Gesang und Gitarre), Daniel Kroneberg (E-Gitarre, u.a. Likeartoise), Dirk Lücken (Bass) und Benjamin Arntz (Ukulele und Mandoline, u.a. Orchestre Miniature in the Park) waren auch die beiden Multiinstrumentalisten Julia Kotowski (entertainment for the braindead) und mad scientist drummer Sebastian Arnold intensiv an den Aufnahmen beteiligt. Weitere Streich- und Blasinstrumente fanden über einen Online-Aufruf ihren Weg auf diese Veröffentlichung, welche ab 15. April 2011 parallel zum Online-Vertrieb über das berliner Indie-Label beeah-music auch zum kostenlosen Download im Netz unter einer Creative Commons Lizenz zur Verfügung stehen wird.

Wenn Sie sich vorstellen, in einem Flugzeug zu sitzen, fliegt es dann geradeaus oder senkrecht aufwärts? Grüßen Sie die Flugbegleiterinnen und anderen Fluggäste freundlich, oder sitzen Sie still und interpretieren den ganzen Flug nicht als eine soziale Situation, sondern als einen unbequemen, weil kondensiert praktischen Zeitabschnitt, der Ihnen nichts weiter bescheren wird, als Sie lediglich ans Ziel zu bringen? Und wenn Sie freundlich sein müssten?

Advertitis. Ich möchte nicht klingen, als wäre ich ein Abschiedsredner, deshalb lasse ich das Latein weg. Was es bedeutet, also wirklich bedeutet, ist so oder so unwichtig. Was es ist: Eine Krankheit. Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Plakat. Eine an einer Hauswand angebrachte Werbetafel, und jetzt schreien Sie den lieben langen Tag eine wahnsinnig bedeutungslose Botschaft in die Welt, die im Prinzip niemanden interessiert und wenn, dann überhaupt nur unbewusst aufgenommen wird. Stellen Sie sich jetzt vor, wir alle wären Werbetafeln. Jetzt haben Sie die Welt begriffen.

Was macht jemand, der in einem Flugzeug sitzt, weil ihm jemand weggestorben ist, mit dem er niemals wieder sprechen wollte? Grüßt der die anderen Fluggäste nett? Oder ist ihm die ganze Konvention egal, er will nur ankommen auf diesem Hamburger Flughafen, von dem er vor Jahren (zugegeben: im Streit, aber doch entschlossen) gestartet ist und an den er niemals zurück kam? Niemals mehr ein Wort und so weiter. Schätzungsweise dürfte diese Person viel eher mit sich selbst reden wollen als mit anderen, sofern sie überhaupt begreift, was da gerade los ist.

Advertitis. Wir sind viele, wir sind ein Orchester, das sich dereinst, vor drei Jahren, einen einigermaßen blöden Namen gegeben hat. Unnütze Schrauben, das sind solche, denen man aus Wut, Eile oder Tollpatschigkeit mit einem ganz und gar feindlichen Aufsatz so rüde zu Leibe gerückt ist, dass sie sich jetzt weder vor noch zurück bewegen lassen, und das Regal, das immerhin an ihnen hängt, jetzt verdammen, für immer und ewig an diesem Platz zu bleiben. Noch so eine Metapher! Die Wahrheit ist: Wir sind nichts Außergewöhnliches. Eher ein Bisschen besonders.

Wir fliegen ja nicht mit. Das muss er wohl alleine hinter sich bringen, das ganze Kondensieren, Sublimieren, Zerfasern, Zerdenken, Erinnern, Vergessen, Bereuen, Behaupten und so weiter, wir können da nicht helfen. Wir können höchstens abbilden.

Wir könnten ihm höchstens Worte in den Mund legen. Wenn er etwas zu uns zu sagen hätte, würde er sagen: „Ich habe etwas vor, es beinhaltet einen Flug, eine ganze Reihe desorientierender Momente, eine Landung, eine gehabte Erkenntnis, und eine weitere, sofort nach dem Erkennen wieder abgesägte weitere, zur ersten völlig diametrale Erkenntnis. Das klingt fürchterlich anstrengend, wahrscheinlich wird es das auch. Also. Wenn ihr nichts dagegen habt: Könntet ihr vielleicht für eine knappe Stunde ich sein? Wenn ihr schon so viele seid.“

Markus Steidl vocals, guitars, bass, drums
Daniel Kroneberg electric guitar, vocals
Sebastian Arnold drums, organ, pianos, synth, vocals
Dirk Lücken bass
Benjamin Arntz ukulele, mandolin, vocals
Julia Kotowski banjo, glockenspiel, vocals
Eymelt Sehmer violin
Hannah Vogt violin
Andreas Krosch cello
Tim Knillman acoustic guitar
Jörg Rambaum trombone

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